FOTO OBEN: Hauseingang
FOTO UNTEN: Eingangsbereich
mit Blick ins Eßzimmer

Privatprojekt : Altbauwohnung

(Auszüge und Teilaspekte meiner Beratung)


Die Wohnung
Betritt man die Wohnung der Bewohnerin meines Privatprojektes, hat man gleich
einen großzügig, weitläufigen und auch herrschaftlichen Eindruck. Man kann den wohlhabenden Glanz früherer Zeiten förmlich noch riechen... Als zweiter Eindruck macht sich die gedehnte, langezogene, fast gezerrte Form des Grundrißes bemerkbar. Man hat das Gefühl, am Ende des langen Ganges beginnt noch etwas neues, anderes, wohin man jetzt noch keinen genauen Einblick hat. Der gestreckte Flur hat fast schon Tunnelcharakter – mit einem Licht am Ende.
Man betritt die Wohnung im vorderen Bereich, d.h. man ist gleich umgeben von drei großen, hellen, geräumigen Zimmern, die alle drei miteinander durch zwei Flügeltüren verbunden sind. Zwei davon sind direkt nach vorne ausgerichtet, mit einem schmalen Balkon zur Straße bzw. auf Höhe der Hochbahn. Es sind die repräsentativen Räume der Wohnung, für die Öffentlichkeit oder Gesellschaft. Heute werden sie als Wohn-, Eß- und Kinderzimmer genutzt (siehe Plan). Bewegt man sich in den hinteren Teil der Wohnung, wird es gleich ein bißchen dunkler, dort wo der Flur nochmal ein wenig ausufert, bevor er noch schmaler wird.
Von dort gehen an der einen Seite drei Türen ab und auf der anderen nochmal vier, die heute Waschküche/Haushaltsraum (Mädchenzimmer), Küche, WC und Bad, sowie Schrankplatz (alte Speisekammern) beinhalten.
Hat man den langen Flur durchschritten, mündet er in einen schönen, durch große Bäume, beschatteten Raum, der auf einen großen quadratischen Balkon mit Blick auf den Kanal hinführt. Das heutige Schlafzimmer. Die Küche, im mittleren Teil der Wohnung, ist über Eck mit Einbauschränken aus Holz bis zur Decke versehen. Die Arbeitsplatte und der Abzug sind verchromt, der Fußboden aus schwarzem Granit. Die Einrichtung stammt vom Vormieter, der aufgrund seiner Körpergröße die Arbeitsplatte über das normale Maß erhöht hat. Die Bewohnerin fühlt sich daher dort besonders „zwergenhaft“.


 

 

 

 

 

 

 

 

Der Grundriß und die Elemente

Der Grundriß hat eine extrem langgestreckte Form. Für mich symbolisiert er dadurch das Element HOLZ. Die Form hat etwas eindeutig zielgerichtetes. Auch, wenn sich die Eingangstür an der langen Seite befindet, drängt sich mir die Form eher als Hochformat auf, nicht liegend. Sie verjüngt sich etwas in eine Richtung, was aber auf der anderen Seite die Richtungsanzeige noch unterstützt. Der zweite Eindruck ist dem Element WASSER zuzuordnen. Wie eben beschrieben, bröckelt die rechteckige Form an einer Seite ab. Durch die Abstufungen und Einbuchtungen bekommt der Grundriß auch etwas wässriges, was für mich aber nicht im Vordergrund steht. Ich habe eher noch eine andere Assoziation: würde man die Verjüngung auf der einen Seite optisch weiterdenken, würde sie in ein Spitze auslaufen, und dem ganzen eine dreieckige Form verleihen, die dem Element FEUER entspricht.In jeden Fall hat der Grundriß etwas stark richtungsweisendes, auf ein Ziel gerichtet.

Ein weiterer wichtiger Aspekt liegt in der »Teilung« des Grundrisses. Der vordere Teil der Wohnung setzt sich eindeutig zum hinteren Teil der Wohnung ab. Hier besteht eine Art von Hierarchie oder Wertigkeit, die früher auch durch die Herrschaften und ihre Bediensteten charakterisiert wurde. Der Trackt, indem der Flur schmal verläuft, war früher der Dienstboten-Bereich. Küche, Speisekammern und Mädchenzimmer wurden vorrangig von ihnen genutzt. Dadurch wirkt der Raum, nach hinten zum Kanal gelegen, eher vom Rest der Wohnung isoliert. Hier müßte man versuchen wieder eine Verbindung herzustellen, um eine wohnliche Einheit zu schaffen.Durch die vielfach vorhandenen Türen, besonders im vorderen Bereich der Wohnung, wirken die Zimmer sehr offen, aber auch durchläßig, alles geht ineinander über, viele Richtungen sind möglich. Im mittleren Bereich der Wohnung gibt es zwar auch viele Türen, sie wirken aber nicht so einladend, sondern wesentlich verschlossener, da sich die Türblätter nach außen zum Flur hin öffnen. Dieser Teil macht einen wesentlich komprimierteren, gedrängteren Eindruck.

 




FOTO OBEN: Wohnzimmer mit Blick zur Straße und Durchgang zum Eßzimmer. FOTO UNTEN: Blick durch den Flur vom Eingang in Richtung Schlafzimmer



Der Chifluß. Verteilung der Energie
Der Chifluß (s. Plan) folgt der Aufmerksamkeit. Die drei repräsentativen vorderen Räume werden am besten mit positiver Energie versorgt. Dann folgt der Flur bis zum Nadelöhr, dem schmaleren Teil des Flures. Hier verteilt sich die Energie in Mädchenzimmer und Küche (sowie Bäder und Abstellkammern). Am Ende des Ganges liegt das Schlafzimmer, was demnach am wenigsten vom frischem Chi abbekommt. Die Qualität des Chi ist im vorderen Bereich der Wohnung am besten und nimmt sukzessive nach hinten hin ab, auch, da es einen sehr langen Weg zurückzulegen hat.
Wie oben schon erwähnt, macht die Wohnung einen sehr durchläßigen Eindruck und, man hat an zwei Positionen das Gefühl, im Durchzug zu stehen. Einmal im Flur. Dort hat man den Durchblick vom Fenster des vorderen Zimmers bis zum Fenster des hinteren Zimmer. Und nocheinmal in den Durchgangsräumen Wohnzimmer und Kinderzimmer. Dort ist die Situation ähnlich, in der gleichen Richtung, nur parallel verschoben.
Durch den sehr langen und schmalen Flur, nimmt der Energiefluß an Geschwindigkeit zu und entweicht durch die Fenster, bevor er sich ausreichend in den Räumlichkeiten verteilt hat. Hier gilt es, den Chifluß besser zu lenken, um ihn abzubremsen, um die Energie besser zu verteilen, und in den Räumen zu halten. Der Flur könnte so gestaltet werden, daß Objekte an den Wänden oder der Decke die Aufmerksamkeit anziehen, und vom optischen Soog in die, am Ende gelegenen, Zimmern wegzieht.

 

Yin und Yang

Die drei großen ineinanderübergehenden Zimmer zur Straße würde ich dem yang-Bereich zuordnen, wie auch den Eingangsbereich. Die drei Räume nach vorne liegend sind groß, hell und eher laut, da sie zur Straße liegen. Auf Höhe der Wohnung fährt vorne die U-Bahn vorbei.Dort, wo der Flur schmaler wird, betritt man eher den yin-Bereich der Wohnung. Der Flur wird dunkler und enger. Auch das Schlafzimmer nach hinten ´raus ist ruhiger gelegen und durch die Bäume davor etwas abgedunkelt. Im Grunde ist die Wohnung in zwei Hälften geteilt, den yin- und den yang-Bereich. Die beiden Abschnitte sind relativ klar voneinander getrennt. Eine Ausnahme bildet nur die Küche, die durch ihre inhaltliche Struktur dem yang zugewiesen wird. Hier wird gekocht, ist Aktivität, Feuer und Leben von Natur aus vorhanden. Sie liegt hier sozusagen im Grenzbereich.Auch von den Himmelsrichtungen her betrachtet, trifft diese Einteilung zu. Der Eingangsbereich liegt im Süden, Kinder-, Wohn- und Eßzimmer im Südosten, während die Küche, Schlafzimmer und Abstellkammern im Nordwesten angesiedelt sind.Von der Verteilung der Räume her, scheint die Nutzung auf den ersten Blick sinnvoll zu sein. Die größere Aktivität in den yang-Zimmern, der Schlafraum im yin-Bereich.Das Verhältnis von yin und yang ist einigermaßen ausgewogen. Beide Bereiche sind vorhanden. Von der Nutzbarkeit der Räume und der Gesamtfläche her gesehen, würde ich sagen, daß yang überwiegt.Die Bewohnerin hatte selbst den Wunsch geäußert, eine Rückzugsmöglichkeit für sie einzurichten. Das heißt, in diesem Zusammenhang könnte man einen weiteren yin-Bereich errichten, um einen Ausgleich zu schaffen.

 

 

 

 

 

 

 

 


Thematik. Zusammenfassung der Gespräche
Frau T. kam auf mich zu, wegen einer räumlichen Frage: Ob es nach Feng Shui-Maßstäben besser sei, ihr Wohnzimmer mit dem Eßzimmer zu tauschen. Im Laufe der Beratung kam die unklare Situation der Partnerschaft mit dem Vater ihres Kindes ins Gespräch, aber nicht in dem Sinne, daß sie von mir oder Feng Shui dafür eine Lösung erwartete. Dennoch glaube ich, daß diese Thematik hier im Vordergrund steht.
Am augenfälligsten ist die Thematik der Zweiteilung der Wohnung. Die Wohnung zerfällt buchstäblich in zwei Bereiche, der früheren Hierarchie folgend, in einen repräsentativen, öffentlichen und in einen verborgeneren, privaten Bereich im Innern der Wohnung (früher für die Dienstboten).
Dies ist im Grunde ein Symbol für Trennung/Teilung, und eine erschwerte Basis, in diesen Räumen eine Familie glücklich unterzubringen. Der hintere Raum ist relativ isoliert vom Rest der Wohnung. Im Mittelpunkt der Feng Shui-Maßnahmen steht folglich die Aufgabe, eine besserer Verbindung der Bereiche herzustellen, um eine Einheit der Räumlichkeiten zu schaffen. Diese Zusammenführung könnte symbolisch auch für die Partnerschaft gelten.



FOTO OBEN: Kinderzimmer, im vorderen Teil der Wohnung FOTOS UNTEN: Küche mit Blick Richtung Kanal


Im Zusammenhang mit der Familie, stellt sich auch hier eine hierarchiesche Problematik dar, in dem Sinne, daß das Zimmer des Sohnes, im vorderen Trakt der Wohnung, einen zu großen Stellenwert innerhalb der Familie einnimmt. An erster Stelle in der Familiensituation sollten die Eltern/Partnerschaft stehen und nachfolgend die Kinder. Ich würde vorschlagen, Schlaf- und Kinderzimmer zu tauschen, um im vorderen Teil einen geschlosseneren Bereich für die Eltern einzurichten. Zugegeben beinhaltet diese Lösung den Aspekt, eher das Kind zu isolieren, doch dagegen kann mit gemeinschaftlichen Aktionen und bewußtem Einbeziehen entgegengewirkt werden. So hätte aber das Kind nicht mehr den Status, direkt im Mittelpunkt allen Geschehens zu stehen, was für alle Beteiligten eine optimalere Platzierung in der Familienstruktur darstellen, und zum Wohlbefinden aller beitragen würde. Wenn der Sohn etwas älter ist, wird er die relative Abgeschiedenheit des Raumes auch genießen. Er wird in seiner Tagessäule durch das Element metall charakterisiert, wodurch ihm die Möglichkeit des Zurückziehens auch entgegen kommt.

 

 







FOTO OBEN: Schlafzimmer, nach hinten zum Kanal gelegen